Was ist Offenheit?

Einfach gesagt: „Offen“ bedeutet das Gegenteil von „verschlossen“. Doch selbst wenn der englische Begriff „Openness“ u.a. mit einem hohen Grad an Zugänglichkeit und uneingeschränkter Nutzung, Wiederverwertung und Weiterverbreitung gleichgesetzt wird, hat das deutsche Pendent des Wortes – „Offenheit“ – in seiner derzeitigen Definition ein weitaus begrenzteres Bedeutungsspektrum. Offenheit wird im deutschen Sprachraum mit „Aufrichtigkeit“, „Freimut“ und „Aufgeschlossenheit“ gleichgesetzt.

Der Begriff „Offenheit“ bezieht sich hierzulande somit eher auf eine Wesensart und ein psychologisches Konzept, als auf eine Philosophie. Die englische Bedeutung des Wortes findet im Zuge der Openness-Bewegung, die seit Jahren auch in Deutschland an Fahrt zunimmt, umgangssprachlich weitreichende Anerkennung. Offen ist demnach etwas, wenn nichts den Weg versperrt, ob ein gegenständliches Hindernis oder ein Verbot. Die Open-Bewegung ist eine Graswurzelinitiative, die auf das Jahr 1986 zurückzuführen ist. Eine Gruppe um Tim O’Reilley startete zu dieser Zeit die Open Source-Bewegung, also das Bestreben, Software zu entwickeln, die der Bevölkerung möglichst uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden sollte. Zeitgleich wurde aber auch der Grundstein für die Open Content Initiative um David Wiley gelegt, aus der dann später z.B. die Open Access, Open-Data und Open-Education-Initiative wurden.

Nach David Wiley sind Bildungsmaterialien nur dann wirklich offen, wenn sie folgende fünf Freiheiten gewährleisten:

  1. verwahren & vervielfältigen: Das Recht, Kopien eines Materials zu machen, zu besitzen und zu kontrollieren – z.B. durch Download
  2. verwenden: Das Recht, Material in vollem Umfang einzusetzen – z.B. im Klassenzimmer
  3. verarbeiten: Das Recht, Material zu bearbeiten, zu verändern und umzugestalten – z.B. das Übersetzen in eine andere Sprache
  4. vermischen: Das Recht, fremden Content zu vermischen (remixen) bzw. zu verbinden – z.B. das Einbinden von Grafiken in ein bestehendes Arbeitsblatt
  5. verbreiten: Das Recht, kopiertes Material mit anderen zu teilen – z.B. das Hochladen eines Videos auf einer Videoplattform

Diese Freiheiten sind auch als die 5 V-Freiheiten der Offenheit bzw. im Englischen als die 5 R (Retain, Reuse, Revise, Remix, Redistribute) bekannt.