OER

Open Educational Resources (kurz OER) kann mit dem Begriff „offene Bildungsmaterialien“ übersetzt werden. Es sind Bildungsressourcen, die ohne Probleme und rechtlich unbedenklich vervielfältigt, verwendet, verarbeitet, vermischt und weiterverbreitet werden können.

Die UNESCO sagt zu Open Educational Resources folgendes: „Open Educational Resources (OER) sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Eine solche offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen. Dabei bestimmen die Urheber selbst, welche Nutzungsrechte sie einräumen und welche Rechte sie sich vorbehalten.

Open Educational Resources können einzelne Materialien, aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden. Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimedia-Anwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.“ (Definition auf UNESCO-Website)

Lehrende, die OER erstellen, fördern die Kultur des Teilens – ein wichtiger Eckpfeiler der OER-Initiative. Da OER kostenfrei geteilt werden, haben sie das Potenzial, eine höhere Reichweite zu erzielen, als kommerziell vertriebene Lehr- und Lernmaterialien.
Da dank OER jede Person eine offene Bildungsmaterialie erstellen kann und nicht nur eine Gruppe erlesener Personen, helfen OER-erstellende Lehrende dabei, Bildung zu demokratisieren.

Open Educational Resources werden oft mit „Open Access“ verwechselt. Auch wenn sich die beiden Konzepte in einigen Punkten ähneln, gibt es einige maßgebliche Unterschiede.
Während es bei Open Educational Resources um offene Bildungsmaterialien geht, die hauptsächlich in der Lehre eingesetzt werden, handelt es sich bei Open Access-Materialien z.B. um unter offenen Lizenzen veröffentlichte wissenschaftliche Publikationen, die ihren Platz in der Forschung finden.
Eine Open Access-Materialie kann unter einer Creative Commons ND-Lizenz veröffentlicht werden. Eine Materialie, die unter einer ND-Lizenz veröffentlicht wurde, wird jedoch nicht mehr als Open Educational Resource anerkannt.

In einigen Fällen werden OER auch mit E-Learning gleichgesetzt. Jedoch ist nicht jede offene Bildungsressource gleich E-Learning. Michael Kerres definiert E-Learning als alle Formen von Lernen, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen. (vgl. Kerres & Preußler 2012) Offen lizenzierte Lehr- und Lernmaterialien können jedoch in jedem Medium erstellt werden, sogar in Form eines gedruckten Buches.
__________
Michael Kerres, Annabell Preußler: Mediendidaktik. In: Dorothee Meister, Friederike von Gross und Uwe Sander (Hrsg.): Enzyklopädie Erziehungswissenschaft Online. 2012.

 

Geschichte von OER

OER haben in kurzer Zeit einen langen Weg beschritten. Erst vor ca. 20 Jahren, im Jahr 1998 wurde von David Wiley angelehnt an „Open Source“ der Begriff „Open Content“ geprägt. Open Content bezog sich zwar damals schon auf den Bildungssektor, wurde dann jedoch von der Internetcommunity zu einer Art Überbegriff für offene Materialien weiterverwendet.

Selbst wenn oftmals das OpenCourseWare-Projekt des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Jahr 2002 als Startpunkt der OER-Bewegung angeführt wird, liegen die Wurzeln von der ersten wirklichen Open Content-Bewegung in Deutschland. Bereits im Jahr 1999 startete die Universität Tübingen durch ihre timms-Initiative (Tübinger Internet Multimedia Server) ein für damalige Zeiten bahnbrechendes Projekt. Der Multimedia Server wurde extra für die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und Vorlesungsaufzeichnungen im Internet geschaffen.

2001 gründete Larry Lessing die Creative-Commons-Initiative und legte so einen Grundstein für die Nutzung von offenen Lizenzen.

Im Jahr 2002 startete das Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Initiative mit dem Namen OpenCourseWare – eine Internetplattform, über die viele Kursmaterialien des MIT frei zur Verfügung gestellt werden sollten. Interessanterweise ist die Initiative aus einer Arbeitsgruppe entstanden, die unter Leitung des MIT Vize-Kanzlers Robert Brown Stellung dazu beziehen wollte, wie sich eine Universität zum gerade neu aufkommenden „Distance Learning und E- Learning“ positionieren sollte. Seit dem Start von OpenCourseWare veröffentlichte das MIT Kursmaterialien von 2.340 Kursen frei zugänglich unter dem Lizenzmodell CC BY-NC-SA. Und das bereits im Oktober 2002, drei Jahre nachdem Google gestartet wurde, ein Jahr, nach dem die Wikipedia an den Start ging und drei Jahre bevor YouTube entwickelt wurde.

Seit 2002 ist viel passiert und über 200 internationale Hochschulen haben sich mit dem MIT zum Open Education Consortium zusammengeschlossen um die Öffnung von Bildung zu fördern.

Im selben Jahr (2002) wurde schließlich während einer Konferenz der UNESCO in Paris der Begriff „Open Educational Resources“ geprägt. Ein bedeutender Tag in der Geschichte der OER-Bewegung.

Ende 2004 entstand in Deutschland das ZUM-Wiki als offene Plattform für innovative Unterrichtsideen. Das ZUM-Wiki ist zu einer wichtigen Anlaufstelle für Lehrerinnen und Lehrer geworden und stellt ein Leuchtturmprojekt für OER in Deutschland dar.

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung von Open Educational Resources wurde am 22. Januar 2008 in Kapstadt gelegt. Bei einer Konferenz zu offenen Bildungsressourcen wurde die Cape Town Open Education Declaration, eine internationale Stellungnahme zu OER und der Zukunft von offenen Bildungsmaterialien, verabschiedet. Die Cape Town Declaration wurde inzwischen weltweit von 2.905 Personen aus mehr als 250 Bildungsorganisationen unterzeichnet.

Im Juni 2012 traf sich die UNESCO und das Commonwealth of Learning in der UNESCO-Weltzentrale in Paris, um bei einem OER-Kongress Stellung zu offenen Bildungsmaterialien zu beziehen. Aus diesem Treffen entstand die sog. „Paris Declaration“. In dieser Erklärung werden Regierungen dazu aufgefordert, die Erstellung und Nutzung von OER zu fördern und sie finanziell zu unterstützen. Öffentlich geförderte Bildungsmaterialien sollten laut Paris Declaration auch frei und offen nutzbar sein.

Das Jahr 2016 markierte einen Quantensprung der OER-Bewegung in Deutschland. Durch das vom Bundesminsiterium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Programm „Open Educational Resources – OERinfo“ wurden deutschlandweit 24 Projekte gefördert, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, Akteure aus den Bereichen Schule, Hochschule, Weiterbildung und Berufsbildung zum Thema OER zu informieren, sensibilisieren und qualifizieren. Darunter auch das Projekt OER@RLP.

Zum 10. Jahrestag der Unterzeichnung der Cape Town Open Education Declaration traf sich 2017 eine Gruppe von Open Education-Aktivisten in Kapstadt, um auf die letzten zehn Jahre zurückzublicken und sich auf „10 Richtungen“ zu verständigen, die einzuschlagen werden sollten, um Open Education voran zu bringen. Diese Richtungen wurden wie folgt definiert:

  1. Offenheit kommunizieren
  2. Stärkung der nächsten Generation
  3. Verbindungen mit anderen #Open-Bewegungen
  4. Open Education für Entwicklung
  5. Open Pedagogy
  6. Über die eigene Institution hinaus denken
  7. Daten und Analytics
  8. Über das Schul- und Lehrbuch hinaus
  9. Offenheit für öffentlich finanzierte Materialien
  10. Urheberrechtsreform für die Bildung

Das Booklet zur zu den 10 Richtungen, um Open Education voranzubringen, kann hier in deutscher Sprache heruntergeladen werden.

Weiterführende Literatur