Microcredentials
Was sind Microcredentials?
Der Begriff „Microcredentials“ dient häufig als Sammelbegriff, unter dem je nach Form, Zielsetzung oder Einrichtung unterschiedlich ausfallende Bezeichnungen zu finden sind, z.B. Nano-Degree, MicroMaster, Badges o.Ä. Gemeinsam sind diesen Bezeichnungen aber in der Regel die Merkmale einer kurzen Bearbeitungszeit und eines eng gefassten Umfangs (vgl. S. 5, Pichette, J., Brumwell, S., Rizk, J., Han, S. (2021) Making Sense of Microcredentials. Toronto: Higher Education Quality Council of Ontario). Die Definition der UNESCO (2022) arbeitet konkrete Kriterien heraus und sieht Microcredentials wie folgt:
“A micro-credential:
- Is a record of focused learning achievement verifying what the learner knows, understands or can do.
- Includes assessment based on clearly defined standards and is awarded by a trusted provider.
- Has standalone value and may also contribute to or complement other micro-credentials or macro-credentials, including through recognition of prior learning.
- Meets the standards required by relevant quality assurance.”
Oliver, B. (2022). Towards a Common Definition of Micro-credentials. Paris: UNESCO, S. 6.
Vielfach ist die Diskussion um Microcredentials geprägt vom Fokus auf Credentials, also Leistungsnachweisen und weniger durch die zugrundeliegende Lehr-Lernform (Microlearning/-teaching) bzw. deren didkatischen Implikationen. Das aktuell laufende Verbundprojekt „Portal für Microlearning und Nanodegrees“ des VCRP setzt unter anderem auch dort an. Zielsetzung ist, die Hochschulen in Rheinland-Pfalz beim Ausbau der Infrastruktur von digitalen Lern- und Weiterbildungsangeboten und didaktischen Formaten zu unterstützen. Diese Angebote sollen als Microlearnings gestaltet werden können, da kleinteilige Lern- und Weiterbildungsangebote zunehmend gefragt sind. Der VCRP übernimmt dabei die Aufgabe der Weiterentwicklung der bildungstechnologischen Infrastruktur sowie das didaktisch-technische Design zur Ermöglichung von Microlearning und Nanodegrees.
Wie lassen sich Microcredentials konzeptionell einarbeiten?

Credentials big and small… von Visual Thinkery ist lizenziert under CC-BY-ND
Die HRK (2020) stellt in ihrem Papier einige Empfehlungen und Hinweise zusammen und spricht sich unter anderem dafür aus, die Entwicklungen rund um Microcredentials als Hochschulen proaktiv zu bearbeiten. Als Einsatzfelder für Microcredentials sieht sie diese als weitere Option neben Studiengängen oder Weiterbildungsangeboten, nicht jedoch als Ersatz für diese. Microcredentials könnten z.B. in Phasen der Orientierung oder der wissenschaftlichen Weiterbildung erfolgreich zum Einsatz kommen.
Auch die Empfehlung des Rates der Europäischen Kommission (2021) unterstreicht Microcredentials als Ergänzungen zu traditionellen Qualifikationen zu verstehen sowie darüber gezielt und flexibel Wissen und Kompetenzen erwerbbar und anrechenbar zu machen – auch im Sinne eines lebensbegleitenden Lernens. Explizit wird dabei auch darauf verwiesen, dass keine neues Microcredential-System aufgebaut werden soll, sondern bestehende Instrumente bestmöglich genutzt werden sollen, um Microcredentials zu entwickeln. Darin werden auch die Schnittstellen zu OER oder Nachhaltigkeit nochmal deutlich.
Die konzeptionelle Einbindung von Microcredentials bedeutet also diese, wo möglich, bereits Mitzudenken oder in Bestehendem Ansätze dafür zu identifizieren. Microlearnings, mit denen der Erwerb von Microcredentials verbunden werden soll, sollten sich an den folgenden Gestaltungsdimensionen orientieren:
Lernmedien
Dokumente, Schaubilder, Info-Grafiken, Videos oder deren Zusammenstellung, die didaktisiert sind und Interaktionsmöglichkeiten für die Lernenden mit den Inhalten bereitstellen, wie beispielsweise Vorwissensfragen, Reflexions- oder Transferfragen, Prompts, Aufgaben, Abstimmungen, etc.
Betreuung
Während der Bearbeitung des Microlearnings kann eine Betreuungaktiv oder passiv stattfinden. Passiv z.B. über einen Feedback-Mechanismen des Systems, in dem das Microlearning absolviert wird oder aktiv z.B. durch synchrone Treffen, Foren, Mail etc.
Assessment
Eine Form des Assessments der Lernziele des Microlearnings z.B. über ein Quiz, Tests oder Aufgabeneinreichungen. Die Bewertung kann dabei automatisiert oder manuell erfolgen.
Credentials
Für das Microlearning ist ein Nachweis und die dafür zugrundeliegenden Kriterien transparent zu beschreiben, der bei erfolgreichem Abschluss erworben werden kann.
Weitere Quellen:
Ergebnisse der Zukunftswerkstatt, um Hochschulen eine Hilfestellung für ihre eigenen Strategieentwicklungsprozesse und die Erarbeitung spezifischer, auf ihre jeweiligen Profile abgestimmten Konzepte zu geben (siehe 2); andererseits bietet sie einen Überblick über die relevanten Standards der Qualitätssicherung von Microcredentials (siehe 3.1) sowie der Anerkennung und Anrechnung (siehe 3.2).
- Konferenzdokumentation: Microcredentials an Hochschulen. HRK Modus (30.- 31. März 2023)
Entlang der drei thematischen Linien Flexibilisierung, Internationalisierung und Qualitätsentwicklung wurden Chancen, Herausforderungen und Praxisbeispiele in unterschiedlichen Formaten diskutiert, sowohl im Kontext der Einführung und Gestaltung von Microcredentials als auch vor dem Hintergrund der Anerkennung und Anrechnung in Studiengängen.
- Micro-Credentials und Micro-Degrees: Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven aus der Praxis des KI-Campus. Flasdick, Mah, Bernd & Rampelt (2022)
Micro-Credentials und Micro-Degrees werden in Bildungspolitik und -praxis zunehmend als flexible und innovative Qualifizierungsform diskutiert. Das Diskussionspapier skizziert den Status Quo nationaler, europäischer und internationaler Aktivitäten zu Micro-Credentials und Micro-Degrees auf digitalen Lernplattformen, im hochschulischen wie beruflichen Bildungsbereich. Am Anwendungsfall KI-Campus – Die Lernplattform für Künstliche Intelligenz werden aktuelle Entwicklungen und Perspektiven aus der Praxis präsentiert.