OER lizenzieren & bereitstellen

Open Educational Resources basieren stark auf dem Gedanken der „Remix-Kultur“. Es gibt bereits viele sehr gute Bildungsmaterialien und es wäre äußerst uneffektiv und ineffizient, das sprichwörtliche Rad konstant neu zu erfinden. Bereits bestehende Materialien können so mit wenig Aufwand in einem organischen Prozess zu einer überarbeiteten Ressource weiterentwickelt werden, die speziell auf die gewünschte Zielgruppe und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die vorangegangenen Activities drehten sich hauptsächlich um die Grundlagen von OER und darum, was bei der Nutzung von offenen Bildungsmaterialien zu beachten ist. Auch die Erstellung von OER wurde bereits angerissen. Doch wie geht man vor, wenn man eine selbst erstellte Open Educational Resources für die Weiternutzung lizenzieren möchte und wo können OER im Internet bereitgestellt werden? Darum geht es nun.

Die Wahl der richtigen Lizenz

Sie haben eine Bildungsressource erstellt und stehen nun vor der schweren Frage, unter welcher Lizenz Sie das Material veröffentlichen wollen.

Die erste Frage, die sich Ihnen stellt ist natürlich: offen oder geschlossen?
Selbst wenn sich diese Community um offene Bildungsressourcen dreht, ist es wichtig klarzustellen, dass beide Formen der Lizenzierung ihre Legitimität besitzen. Es gibt gleichermaßen einen Platz für offene als auch geschlossene Lizenzen. Natürlich wäre es ideal, wenn alle Bildungsmaterialien kostenfrei und offen zur Weiterverarbeitung bereitgestellt würden, allerdings ist es manchmal realistisch gesehen nicht ganz möglich.
Handelt es sich bei Ihren Bildungsmaterialien z.B. um juristische Informationen oder medizinische Empfehlungen? In diesen und anderen Fällen, in denen kleine Veränderungen an Ihren Materialien große negative Auswirkungen mit sich bringen können, ist es manchmal angebracht, eine Bildungsmaterialie unter eine geschlossene Lizenz zu stellen, z.B. unter eine ND-Lizenz, die das Verändern der Ressource untersagt.
Natürlich kann Sie auch niemand dazu zwingen, Ihre hart erarbeiteten Materialien kostenfrei weiterzugeben. Haben Sie viel Zeit und Arbeit investiert, und eine wirklich originelle Idee entwickelt? Vielleicht haben Sie auch eine Möglichkeit gefunden, ein bereits bestehendes Thema auf eine völlig neue Art oder auf einem wirklich innovativen Weg zu vermitteln. In einer Welt, in der Arbeitskosten gedeckt und Rechnung beglichen werden müssen, sollte Sie niemand dafür verurteilen, Ihre Arbeit kommerziell anzubieten. Stellen Sie jedoch mit Ihrer Bildungsressource eher Informationen bereit, die in dieser oder marginal anderer Form bereits bekannt sind, birgt diese Ressource wahrscheinlich eher einen gemeinnützigen als einen kommerziellen Wert.

Haben Sie sich für eine offene Lizenz entschieden, stehen Sie nun vor der Wahl, welche offene Lizenz Sie letztendlich anwenden möchten. Neben der Creative Commons Lizenz gibt es eine große Zahl an weiteren Open Content-Lizenzen, wie die „FreeBSD Licence“ oder die „Open Publication Licence“. Selbst verschiedene Bundesländer haben vor einigen Jahren eigene Lizenzen für die Veröffentlichungen von Medien entwickelt. Es macht jedoch Sinn, sich für die Creative Commons-Lizenzen zu entscheiden. Bei der Creative Commons handelt es sich zum einen um die am weitesten verbreitetste offene Lizenz, zum anderen hat sie bereits bei zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen vor Gericht standgehalten.

Bei der Wahl der passenden Creative Commons-Lizenz kann Ihnen folgende Infografik weiterhelfen:

Infografik „Welches ist die richtige CC-Lizenz für mich?“ (Grafik von Barbara Klute und Jöran Muuß-Merholz für wb-web unter CC BY SA 3.0)

Welche Lizenzen lassen sich miteinander verbinden? Oder: Will it blend?

Sofern Sie alle Elemente Ihrer Ressource selbst erstellt haben, verläuft die Wahl der Lizenz recht unkompliziert. Was muss jedoch beachtet werden, wenn Sie einen Remix erstellt haben und nicht alle Elemente von Ihnen stammen?
In diesem Fall können Sie die Materialie nur unter eine Lizenz stellen, die so offen ist, wie das am geschlossensten lizenzierte verwendete Element. Wenn Ihre Ressource z.B. ein Foto unter einer CC BY-NC-SA-Lizenz enthält, ist es nicht möglich, Ihre Materialie unter einer offenen CC BY-Lizenz zu veröffentlichen. In diesem Fall müssen Sie auch Ihre Materialie unter eine CC BY-NC-SA-Lizenz stellen.
Die Arbeit mit Creative-Commons-Lizenzen ist durch die Modularität des Lizenzmodells recht übersichtlich. Manche Creative Commons-Lizenzen sind jedoch nicht untereinander kompatibel. Um herauszufinden, welche Lizenzen sich miteinander verbinden lassen und welche nicht, können Sie den CC-Mixer verwenden oder folgende Grafik als Anhaltspunkt nehmen:

CC0
Das folgende Video erklärt noch einmal, worauf beim Remix von unterschiedliche lizenzierten Materialien zu achten ist:

Teil 1 – Der Weg zur passenden CC-Lizenz vom Pädagogisches Landesinstitut auf Vimeo unter einer CC BY 4.0-Lizenz.

Was jedoch, wenn es sich bei einem verwendeten Element um ein nicht unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlichtes Medium handelt? In diesem Fall gilt der Richtwert „Was nicht explizit erlaubt ist, ist im Zweifel verboten“. Ist die Lizenz einer Materialie nicht klar definiert, kommen Sie meist nicht darum herum, bei der Urheberin bzw. dem Urheber nachzufragen und gezielt um die Nutzungsrechte zu bitten.
Ist die Lizenz jedoch klar definiert und Sie haben z.B. bei einem Dienst wie Getty Images oder Shutterstock ein Foto erworben, können Sie die Ressource, die das Foto enthält nicht unter eine offene Lizenz stellen. Sie haben in diesem Fall lediglich ein „ausschließliches Nutzungsrecht“ für das Foto erworben und sind nicht befugt, das Foto an Dritte weiter zu lizenzieren.

Kommerziell oder nicht-kommerziell, das ist hier die Frage

Wenn Sie selbst auf die kommerzielle Verwertung Ihrer Arbeit verzichten, ist es natürlich naheliegend, auch anderen zu untersagen, Ihre Materialien kommerziell zu nutzen. Die NC-Lizenz scheint auf den ersten Blick somit eine gute Option zu sein. Allerdings ist bei diesem Lizenzmodul Vorsicht geboten.
Die Bedeutung des Begriffs „nicht-kommerziell“ ist nach deutschem Recht nicht eindeutig geklärt. Es gibt zwar ein Urteil vom Landesgericht Köln, nachdem nur eine rein private Nutzung eine nicht-kommerzielle Nutzung darstellt, allerdings wurden in der Vergangenheit auch einige Gerichtsurteile zugunsten der Angeklagten aufgrund der sog. „Unklarheitsklausel“ (§305c Abs. 2 BGB) entschieden.
Eine NC-Lizenz schränkt die Nutzung einer Ressource ein und wird daher von vielen Personen aus der OER-Community daher nicht als OER-Lizenz anerkannt. So ist es z.B. Lehrenden von privaten Hochschulen oder Dozentinnen und Dozenten von Volkshochschulen nicht gestattet, Materialien unter einer NC-Lizenz in der Lehre einzusetzen.

Grundsätzlich sollten Sie eine Ressource nur dann unter eine NC-Lizenz stellen, wenn Sie auch tatsächlich vorhaben, Lizenzverstöße juristisch zu verfolgen. Ansonsten werden die Personen benachteiligt, die sich an die Lizenzbedingungen halten, während die Personen, die die Bedingungen missachten ungeschoren davonkommen.
Für weitere Informationen zur NC-Lizenz empfehlen wir Ihnen die Lektüre „Freies Wissen Dank Creative-Commons-Lizenzen. Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung ‚nicht-kommerziell – NC’“ von Dr. Paul Klimpel.

Wo können offene Bildungsmaterialien veröffentlicht werden?

Sobald Sie sich für die passende Lizenz für Ihre OER entschieden haben, stellt sich die Frage, wo Sie die Ressource veröffentlichen können. Grundsätzlich können Sie die Materialie natürlich überall bereitstellen, wo sie leicht auffindbar ist. Sie können Sie z.B. auf Ihrer persönlichen Website oder einem Cloud-Sharing-Dienst, wie ownCloud oder Seafile hochladen. Es spricht auch nichts dagegen, Dienste wie YouTube oder SlideShare zu nutzen, um z.B. Videos oder Präsentationen hochzuladen. Stellen Sie in diesem Fall jedoch sicher, dass Sie Ihre Materialie gut sichtbar mit einem Lizenz-Icon versehen haben, um die Nachnutzung einfacher zu gestalten. Eine weitere Möglichkeit, Ihre OER zu veröffentlichen, bieten designierte OER-Repositorien, wie z.B. die Portale Merlot und Elixier.

Bis die neuen Repositorien an den Start gehen, können folgende Portale gute Alternativen darstellen, um OER zu veröffentlichen:

Eine spannende Initiative, bei der Sie seit kurzem Ihre Bildungsmaterialien abgeben können, ist die Bildungsmaterialspende. Gerade für Personen, die sich bei lizenzrechtlichen Fragen noch nicht ganz sicher sind, ist die Bildungsmaterialspende eine gute Option, da sich die Initiative noch einmal alle Materialien Prüft, bevor sie veröffentlicht werden.
Für die Bereiche Mathematik und Biologie ist auch das Portal Serlo eine gute Anlaufstelle.